Der feine Unterschied: Rocca vs. Castelli
Die Rocca Vitaliana ist die spezifische Burg, die Graf Ludovico Borromeo zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaute. Der Name „Vitaliana“ war eine bewusste Huldigung an seinen Vorfahren Vitaliano I. Borromeo.
Die Bezeichnung Castelli di Cannero beschreibt das gesamte Ensemble der Burgruinen auf den Inseln.
Baugeschichte und strategischer Zweck
Die Burg entstand als Reaktion auf die Eroberung des Tessins durch die Schweizer im Jahr 1512. Sie sollte als unüberwindbares Bollwerk den Seeabschnitt kontrollieren.
Der Corte Vitaliana: Das Herz der Anlage
Der Corte Vitaliana ist der größte Hof der Burganlage. Im Norden erhebt sich der Bergfried, errichtet aus Materialien der 1414 zerstörten Festung der Mazzarditi. In den Mauern sind noch heute Kanonenkugeln sowie grob behauene Steine zu erkennen. An der östlichen Umfassungsmauer führt eine Treppe zum ältesten Zugang der Burg.
Die steinernen Zeugen: Historische Inschriften
Zwei bedeutende Inschriften an den Mauern der Rocca Vitaliana geben Aufschluss über das Selbstverständnis der Bauherren und die Entstehungszeit der Anlage.
Die Bauinschrift von 1521
Die humanistische Familieninschrift
Diese umfangreiche Tafel preist nicht nur das Bauwerk, sondern verknüpft die Identität der Burg untrennbar mit der Herkunft der Familie Borromeo.
Freundlich zu den Freunden, unnachgiebig und furchteinflößend gegenüber den Feinden, steht sie fest und treu.
Wenn du, Leser, nach dem Ursprung dieses Namens fragst, so erkenne hier das erhabene Geschlecht der Borromeo, das seine Abstammung von Vitaliano aus Padua herleitet... Aus diesem Ursprung ist alles hervorgegangen; und was du an dieser Burg bewunderst, sollst du ihrem Herrn zuschreiben."
- Namensgebung: Sie erklären den Namen „Vitaliana“ als Ehrung der Ahnen (Vitaliano I.).
- Renaissance-Geist: Das klassische Latein zeigt, dass die Rocca kein repräsentatives Machtzeichen der Renaissance war.
- Herkunft: Die Borromeo leiten hier ihren Anspruch direkt von Vitaliano aus Padua ab, einem Gefährten der italienischen Könige.
Torre del Belvedere: Wächter und Unterkunft
Dieser massive, dreigeschossige Turm wurde um 1550 fertiggestellt. Er erfüllte Verteidigungsfunktionen und diente zugleich als Unterkunft für die Soldaten. Von seiner Spitze aus ist ein markanter Felsen zu sehen, der „Melgonaro“ genannt wird.
Heutige Nutzung als Museum
Nach der Restaurierung unter Vitaliano XI. Borromeo (ab 2019) ist die Anlage heute für Besucher zugänglich. Ein multimedialer Audioguide lässt die Geschichte dieses Renaissance-Bollwerks lebendig werden.
